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Warum sind Wälder für den Klimaschutz wichtig?

Wälder spielen eine entscheidende Rolle für ein funktionierendes Weltklima und erbringen lebenswichtige Leistungen. Dazu gehören die Regulation des Wasserhaushalts, Schutz oder Milderung vor Naturgefahren, saubere Luft sowie Lebens- und Rückzugsräume für Tiere sowie uns Menschen, aber auch nachhaltige Rohstoffe. Leider sind die Wälder weltweit aus verschiedenen Gründen bedroht. Die globale Abholzung ist ein wesentlicher Treiber des Klimawandels und des Verlusts an Biodiversität. Aber auch die bereits spürbaren Klimaveränderungen und dessen Folgen – wie häufigere und länger anhaltende Dürren, Brände, Stürme und Schädlingsbefall – setzen lokal wie international unseren Waldökosystemen zu. Um dem entgegenzuwirken, unterstützen Klimaschutzorganisationen wie myclimate wirkungsvolle Projekte zur Aufforstung, zur Stabilisierung und zum Schutz bestehender Wälder. Dieser Artikel zeigt auf, warum Wälder so wichtig sind und wie sie zum Klimaschutz beitragen.

Welche Rolle spielt der Wald im Klimawandel?  

Bäume und damit Wälder sind unverzichtbar für den Klimaschutz, da sie Kohlenstoff in beträchtlichen Mengen speichern. Bei der Photosynthese wird der Atmosphäre effizient und kostengünstig Kohlenstoff entzogen und in der Biomasse gespeichert sowie gleichzeitig Sauerstoff produziert und in die Atmosphäre zurückgegeben. Die Kohlenstoffspeicherung erfolgt nicht nur in der sichtbaren Biomasse wie dem Stamm, den Ästen sowie im Laub- oder im Nadelspreu, sondern auch in ihrem Wurzelwerk und im Boden. Dieser vollkommen natürliche Prozess ist von Dauer. Allerdings hat er auch Einschränkungen: Bäume brauchen ihre Zeit (teilweise bis zu Jahrzehnten), um eine signifikante Menge an Kohlenstoff zu binden. Das gespeicherte CO₂ kann allerdings auch wieder freigesetzt werden, beispielsweise bei Waldbränden. Dies ist in Anbetracht des fortschreitenden Klimawandels ein Grund mehr, schon heute unsere Bemühungen im Waldschutz und «nachhaltiges Waldmanagement» zu intensivieren.   

Die Relevanz von Wäldern für den Klimaschutz wird in internationalen Abkommen, wie zum Beispiel im Artikel 5 des Pariser Abkommens sowie auch in den globalen Nachhaltigkeitszielen der Vereinten Nationen (United Nations Sustainable Development Goals, SDGs), hervorgehoben. Verschiedene Gesetzesvorhaben und Initiativen tragen der Wichtigkeit von Waldökosystemen und ihren Biodiversitätsdienstleistungen Rechnung. So haben die Vereinten Nationen für 2021 bis 2030 die Dekade zur Wiederherstellung von Ökosystemen ausgerufen. An der Klimaschutzkonferenz in Glasgow im November 2021 haben 130 Staaten, darunter auch die Schweiz und die Europäische Union, die Declaration on Forests and Land Use unterschrieben, die den Stopp der weltweiten Entwaldung, u.a. durch Landumnutzung, bis 2030 anstrebt. Im Dezember 2022 wurde das Kunming-Montreal Global Biodiversity Framework verabschiedet, welches bis 2030 30% der Landmasse und der Ozeane unter Schutz stellen will. Das Parlament der Europäischen Union hat zudem zuletzt das europäische Renaturierungsgesetz beschlossen.  

Wälder sind auch Hotspots der Biodiversität und essenziell für den natürlichen Wasserkreislauf. Wenn sie als Lebensräume verloren gehen, steigt zudem die Gefahr, dass Viren oder andere Krankheitserreger von Tierpopulationen auf den Menschen überspringen. Und im schlimmsten Fall zu  Pandemien führen. Man spricht hier von Zoonosen. UN-Generalsekretär António Guterres unterstreicht die fundamentale Bedeutung von Wäldern: «Wälder fungieren auch als wichtige Kohlenstoffsenken und absorbieren jährlich etwa zwei Milliarden Tonnen Kohlendioxid. Die nachhaltige Bewirtschaftung von Wäldern ist daher entscheidend, um die Emissionslücke zu schließen und den globalen Temperaturanstieg zu begrenzen.»

Warum ist die Bedrohung der Wälder auch eine Bedrohung für den Klimaschutz?  

Die Verbrennung von fossilen Brennstoffen ist mit Abstand der gröte Treiber des Klimawandels. Nichtsdestotrotz fällt global gesehen auch die Entwaldung sehr ins Gewicht. Hauptgründe hierfür sind die Rinderhaltung, der Sojaanbau, das Ernten von Tropenholz, Palmölplantagen, Holzplantagen zur Papierherstellung, Infrastrukturprojekte, zu denen auch Staudämme gehören, und der Abbau von Rohstoffen wie Öl, Coltan oder Gold. Die Klimaerwärmung und die damit verbundene Trockenheit verstärkt die Wirkung und Häufigkeit eigentlich «normaler» Waldbrände. Das wiederum führt zu einer erhöhten Freisetzung von CO₂, was wiederum den Klimawandels anfacht. Waldbrände sind also Ursache und Folge zugleich. Ähnlich verhält es sich auch mit anderen Folgen der klimatischen Veränderungen wie vermehrten Stürmen und der Zunahme von Schädlingen, wie man sie auch aus den heimischen Wäldern kennt. So haben in Deutschland die Dürrejahre 2019-2021 zu solch massiven Schäden in den Wäldern geführt, dass in den nächsten Jahren hier von insgesamt 500.000 Hektar Schadflächen ausgegangen wird, die wieder bewaldet oder aktiv verjüngt werden müssen.   

Um die Klimaziele des Pariser Abkommens zu erreichen und die Biodiversität, wie im the Kunming-Montreal Global Biodiversity Framework festgelegt, zu schützen, brauchen wir also dringend umfassende Maßnahmen für den Schutz sowie die naturnahe und nachhaltige Bewirtschaftung von Waldökosystemen, ebenso wie Aufforstungen und die Regeneration von degradierten Landschaften. Der IPCC-Bericht von 2023 hat gezeigt, dass naturbasierte Lösungen, wie die Verringerung der Zerstörung von Wäldern und anderen Ökosystemen, deren Wiederherstellung und die Verbesserung der Bewirtschaftung von Nutzflächen wie landwirtschaftlichen Betrieben zu den wirksamsten Strategien zur Verringerung der Treibhausgasemissionen bis 2030 gehören.  

Wald im Klimaschutz: Wie funktionieren Waldprojekte?  

Seit dem Kyoto-Protokoll spielen Aufforstungs- und Waldschutzaktivitäten sowie Projekte zu verbesserter Waldbewirtschaftung (IFM = Improved Forest Management) eine wichtige Rolle im Klimaschutz. Diese natürlichen Klimalösungen (Nature-based solutions) zielen darauf ab, bestehende Wälder zu schützen beziehungsweise umweltfreundlicher und mit Rücksicht auf den Klimawandel angepasst zu bewirtschaften oder degradierte Landschaften (wieder-)aufzuforsten bzw. wenn möglich, natürlich zu regenerieren. Aufforstungsprojekte oder die natürliche Wiederbewaldung sind dabei besonders wichtig, um CO2 aus der Atmosphäre zu binden. 

So wichtig Aufforstungen und Neuanpflanzungen sein können, so viel aufwändiger und teurer sind sie auch im Vergleich mit dem Schutz bestehender, ursprünglicher Wälder- Zudem kann ein junger Wald im Vergleich zu einem bestehenden Wald in den ersten Jahrzehnten niemals das gleiche Maß an Ökosystemleistungen erbringen. Etablierte Wälder sind bedeutsam für den Wasserhaushalt einer Region, bieten wichtigen Lebensraum für Flora und Fauna und auch Lebensgrundlagen für die Menschen vor Ort. myclimate setzt daher sowohl auf den Schutz bestehender Ökosysteme, deren Anpassung und Stärkung (IFM) als auch auf gemeinschaftlich mit der lokalen Bevölkerung umgesetzte qualitative Aufforstung, sowohl international als auch in der Schweiz, in Deutschland, Österreich und Liechtenstein.  

Wodurch zeichnen sich qualitativ hochwertige Walschutzprojekte aus?  

Bei Waldschutzprojekten steht im Fokus, dass gar nicht erst CO₂-Emissionen durch die Holznutzung, Bodenbearbeitung oder Landumwandlung in die Atmosphäre gelangen (Emissionsverhinderung, englisch Avoidance, genannt). Die Klimawirkung solcher Projekte wird so berechnet, dass die erhaltene Biomasse mit einem Szenario einer durchschnittlichen Abholzung oder intensiver Forstwirtschaft verglichen wird.   

Waldschutz kann dadurch erreicht werden, indem der Druck auf die Wälder verringert wird. Das geschieht, indem die lokale Bevölkerung signifikant weniger Holz zum Kochen braucht (zum Beispiel durch effiziente Kocher) oder gleich gar kein Feuerholz mehr benötigt (durch die Umstellung auf Biogaskocher). Ein großer Teil der von myclimate unterstützten und entwickelten Projekte fällt in diese Kategorie.   

Eine andere Projektkategorie sind Waldschutzprojekte, die von der UNO nach dem Prinzip von REDD+ (Reducing Emissions from Deforestation and Forest Degradation) modelliert sind. Hier wird ein Wald aktiv geschützt und, falls degradiert, wieder aufgebaut. Das Prinzip hinter solchen Projekten ist folgendes: Die Abholzung von Wäldern generiert kurzfristig volkswirtschaftlichen Wert, zum Beispiel durch Erträge aus dem Holz, Anbauflächen oder den Bau von Siedlungen sowie alle nachfolgenden Wertschöpfungsketten. Ein «ungenutzter» Wald hat vermeintlich einen tieferen monetären Wert..  

Um einen Anreiz zu bieten, Wälder nicht abzuholzen, hat die UNO den Mechanismus REDD+ entwickelt. Die Schweiz hat dieses Programm maßgeblich mitgestaltet. Man zahlt bei REDD+-Programmen den Waldbesitzenden die Opportunitätskosten, wenn sie ihren Wald nicht in eine andere Landnutzungsform umwandeln. Man entgeltet in anderen Worten in Form von CO₂-Zertifikaten dafür, dass der Wald nicht abgeholzt wird oder sich wieder erholen kann. Das Pariser Klimaabkommen erkennt REDD+ und die zentrale Rolle der Wälder in Artikel 5 an. 

Da diese Projektart in ihrer Umsetzung hochkomplex ist, unterstützt myclimate ausschließlich REDD+-Projekte, die mit dem Plan Vivo Standard ausgezeichnet sind, einem strengen und integralen Standard für Projekte im Landuse-and-Forestry-Bereich (LUF) auf dem freiwilligen Markt. Der Plan Vivo Standard verlangt zum Beispiel, dass für den Waldschutz nicht nur Geld bezahlt wird, sondern die lokale Bevölkerung weitere Anreize haben muss, den Wald zu erhalten. Zum Beispiel in dem alternative Einnahmemöglichkeiten im Einklang mit dem Walderhalt geschaffen werden. Dazu können  unter anderem die Honigproduktion sowie das Sammeln und Verkaufen von Pilzen und Waldfrüchten gehören. Solche Einnahmemöglichkeiten bezeichnet man auch als NTFPs (Non-timber-forest-products). myclimate unterstützt momentan zwei REDD+-Projekte mit Plan-Vivo-Zertifizierung im Portfolio, eines davon ist ein Projekt für den Schutz tansanischer Wälder für Indigene, Wildtiere und das Klima in Tansania.  

Auf dem Beatenberg im Kanton Bern in der Schweiz unterstützt myclimate ein vergleichbares Waldreservatsprojekt, welches nach der Methodik des Vereins Waldklimaschutz Schweiz zertifiziert ist. Es handelt sich dabei um einen für mindestens 50 Jahre geschützten Wald, in welchem keine Holznutzung stattfinden darf. Dieses Projekt ist koordiniert sowie teilfinanziert vom kantonalen Forstdienst sowie dem Schweizer Bundesamt für Umwelt BAFU und wird zusätzlich von myclimate unterstützt. Das Schweizer Naturwaldreservat Beatenberg ist allerdings kein REDD+ Projekt, da diese gemäß UNFCCC REDD+ Framework  nur in Entwicklungs- und Schwellenländern beheimatet sein dürfen. 

Was sind qualitativ hochwertige Aufforstungsprojekte? 

Bei Aufforstungsprojekten wird CO2 aus der Atmosphäre mit Hilfe der Bäume gebunden und in deren Biomasse  und im Boden gespeichert. Daraus resultieren sogenannte Removal-Zertifikate. Diese Sequestrierung von Kohlenstoff wird auch als Senkenleistung bezeichnet.  

Aufforstungsprojekte werden von myclimate nur unterstützt und mitentwickelt, wenn das Projektdesign so ausgerichtet ist, dass die Landbesitzenden – in der Regel Kleinbauernfamilien - eine finanzielle Motivation haben, ihren Wald langfristig zu erhalten. Bei internationalen Projekten setzt myclimate daher schon von Beginn weg auf Projekte nach dem Plan Vivo Standard. Diese sind auf Langlebigkeit ausgerichtet, das heißt, die Landbesitzenden erhalten nicht nur finanzielle Ausgleichszahlungen für ihre Investitionen, sondern erwirtschaften mit nachhaltiger Waldbewirtschaftung ein zusätzliches Einkommen.  

Sowohl bei regionalen als auch internationalen Waldprojekten ist es eine essenzielle Voraussetzung, dass die Aufforstungen nicht in Konkurrenz zu Ackerflächen für den Anbau von Lebensmitteln stehen dürfen. Hierdurch wird verhindert, dass Wälder auf Ausweichflächen gerodet werden. myclimate erachtet zudem ein Recht auf eine nachhaltige Waldbewirtschaftung auf allen Aufforstungsflächen für sehr relevant. Ein solche erlaubt, den nachwachsenden Rohstoff Holz in geregeltem Maß zu nutzen (Green Economy). Somit wird einer Verlagerung von wirtschaftlichen Ausgleichsmaßnahmen sowie einer Rodung aus wirtschaftlichen Engpässen effektiv vorgebeugt Außerdem, die «Lücken», die dabei im jungen Wald entstehen, geben Raum für das Wachstum der verbleibenden Bäume.  

Es ist eine übliche weltweite Forstpraxis, dass etwa 50 bis 70 Prozent mehr Setzlinge zu Beginn einer Aufforstung und im Verlauf der ersten Jahre gepflanzt werden. So entsteht zunächst viel Biomasse, die andere Vegetation natürlich verdrängt und die jungen Bäume befähigt, sich gegenseitig in ihrem Wachstum zu unterstützen (u.a. durch Schutz vor Wind, Frost oder Dürre). Nach einigen Jahren werden dann einzelne Bäume entnommen, um den Restlichen mehr Platz für ihr Wachstum zu geben. Dieses entnommene Holz kann anderweitig genutzt werden. In den internationalen Projekten wird hierzu eine lokale Holzindustrie mit neuen, lokalen Liefer- und Verarbeitungsketten aufgebaut, die den Landbesitzenden zusätzliche Einkommensquellen («added value»), beispielsweise durch den Verkauf von Pflanzenkohle, von Holzprodukten oder der Schaffung von Arbeitsstellen in der lokalen Sägerei, bescheren.  

Auch die direkten Projektmaßnahmen schaffen oder sichern regional wie international feste sowie temporäre Arbeitsplätze. So achtet myclimate bei der Projektauswahl und Projektentwicklung auf den Einsatz regionaler Arbeitskräfte bzw. regionaler Betriebe in den Bereichen regionaler Baumschulen, Forstbetrieben, bei der Baumpflege und -ernte, bei den Fachleuten für das Projektmonitoring und bei ortsansässigen Hilfskräften.  

Damit erfüllen diese Waldaufforstungsprojekte mehr als nur eine Klimaleistung. Sie sind im Einklang mit den globalen Nachhaltigkeitszielen und berücksichtigen die regionalen Bedürfnisse von Arbeit, Wohlergehen und Gesundheit. Sie unterstützen das Ziel von mehr Biodiversität und nachhaltiger Nutzung und Erhalt.  

Um all diese Aspekte erfüllen zu können, arbeitet myclimate neben dem Fokus auf den Plan Vivo Standard bei internationalen Projekten auch mit dem Waldklimastandard für Deutschland zusammen. Bei Projekten in der Schweiz oder Österreich orientiert sich myclimate an den Guidelines for Domestic Projects.  

Was machen gute Waldklimaschutzprojekte mit verbesserter Forstwirtschaft aus? 

Ein weiterer Projekttyp im Bereich der naturbasierten Lösungen, der weltweit Anwendung findet, nennt sich «Improved Forest Management» (IFM), also verbesserte Forstwirtschaft. Was hinter diesem Begriff steckt, ist der Ansatz durch die Anpassung bzw. Änderung der vorherrschenden Waldbewirtschaftung eine höhere Klimaleistung der Wälder zu erreichen.  

Aktuell unterstützt myclimate Projekte dieser Kategorie vor allem in Deutschland, Österreich und in der Schweiz. Hier stehen neben der erwähnten Erhöhung der Klimaleistung, also der verstärkten CO2-Bindung, zwei weitere Ziele im Vordergrund: Die Stabilisierung der Wälder gegenüber den klimatischen Veränderungen und die Förderung der regionalen Biodiversität. Aus diesem Grund spricht man bei diesen Projekten auch von «klimaoptimierter» oder «klimaangepasster» Waldbewirtschaftung.  

Die Maßnahmen im Rahmen eines solchen Projektes umfassen vor allem den aktiven Umbau bestehender Reinbestände, also von Wäldern, die nur aus einer Baumart bestehen, hin zu einem strukturreichen Mischwald. Häufig handelt es sich bei den Reinformen um Kiefern- oder aber Fichtenwälder, die in der Vergangenheit als Altersklassenwälder angelegt wurden. Das bedeutet, dass auf einer Fläche eine Baumart mit gleichem Alter gepflanzt wurde, es sich also um einen Wald bzw. eine Waldfläche handelt, die beispielsweise nur aus 70-jährigen Kiefern besteht. Diese Wälder sind in Zeiten des Klimawandels ganz besonders gefährdet. Durch die geringe Arten- und Strukturvielfalt sind sie viel anfälliger für Sturmschäden sowie für Schädlingsbefall. Maßnahmen zum Umbau dieser Wälder umfassen die Förderung der Naturverjüngung durch gezielte Kulturpflege sowie die Ergänzung weiterer Baumarten durch aktive Baumpflanzungen.  

Je nach Projekt oder Projekttyp werden alte Bäume länger im Wald stehen gelassen, der stehende Holzvorrat wird weniger stark genutzt als es theoretisch möglich und im Sinne der Waldbewirtschaftung gestattet wäre. Dadurch wird im Wald zusätzlicher Kohlenstoff gebunden. Nach einigen Jahren sorgen die jüngeren Bäume sowie waldbauliche Maßnahmen für mehr Struktur und Stabilität im Wald. Durch diese Diversität der Bestandesstruktur und höhere Baumartenvielfalt tragen dann nachweislich zur Resilienz des Waldökosystems bei. Dadurch wird auch der potenzielle Schadholzanteil, also von Bäumen, die aufgrund von Schäden dem Wald entnommen werden müssen, vermindert.  

Allein in Deutschland schätzt das Bundesforschungsinstitut für Forstwirtschaft die Kosten für diesen notwendigen Waldumbau auf 14-43 Milliarden Euro. Die Zeit drängt. Schon jetzt müssen etwa 500.000 Hektar degradierte Waldflächen in den nächsten Jahren wieder aufgeforstet oder natürlich verjüngt werden. Um den Trend zunehmender Waldschäden entgegenzuwirken und insbesondere für uns Menschen die Ökosystemdienstleistungen des Waldes dauerhaft zu gewährleisten, braucht es staatliche wie auch privatwirtschaftliche Unterstützung für den Waldumbau und die nachhaltige Waldbewirtschaftung.  

Wie stellt man sicher, dass die versprochene Menge an CO2 eingespart wird?  

myclimate wendet bei allen Projekttypen grundsätzlich eine konservative Berechnung der Kohlenstoffmodelle an. So wird beispielsweise in der Regel der nachweislich in den Böden gespeicherte Kohlenstoff bei Waldprojekten nicht eingerechnet. Dessen genaue Berechnung ist mit Unsicherheiten behaftet und zudem sehr aufwendig und dementsprechend auch teuer. Auch bei Waldentwicklungsmodellen soll durch eine strengere, robuste Berechnung sichergestellt werden, dass die versprochene Menge an CO2 auch tatsächlich eingespart oder aber gebunden wird. Zusätzlich werden bei allen Waldprojekten 10 bis 20 Prozent der möglichen Zertifikate in einen gepoolten Risikofonds des jeweiligen Zertifizierungsstandards transferiert. Falls also ein Teil eines Waldes durch Feuer oder Sturm zerstört werden oder aber der Wald aus anderen Gründen nicht die vorhergesagte Klimaleistung erbringen sollte, würden diese Emissionen durch den Risikofonds aufgefangen und stillgelegt.   

Grundsätzlich müssen die Pflanzungen gepflegt werden, um einen Total- oder Teilausfall zu vermeiden. Aber auch bei guter Pflege, gehen – wie in einem natürlichen gewachsenen Wald – immer Bäume verloren. Bei von myclimate unterstützten Projekten werden nur überlebende Bäume bei der Kohlenstoffbilanzierung einberechnet. Ausfälle – auch durch anderweitige Nutzung - werden einkalkuliert und sind Bestandteil des jeweiligen Kohlenstoff-Bilanzierungsmodells und des Monitorings. Dadurch wird sichergestellt, dass Versprechen über die Klimaschutzwirkung auch nachweislich eingehalten werden können.  

Was zeichnet wirkungsvollen Klimaschutz im Bereich Wald aus? 

Ein wirkungsvolles Waldklimaschutzprojekt muss mehrere Schlüsselkriterien erfüllen, um langfristig sowohl dem Klima als auch den lokalen Gemeinschaften und der Biodiversität zu dienen. Alle Klimaschutzprojekte, die myclimate unterstützt, müssen diese Grundkriterien erfüllen. Für Landnutzungs- und Waldbewirtschaftungsprojekte (LUF) im myclimate Portfolio gelten sogar noch zusätzliche Kriterien. Vor der Entscheidung, ein bestimmtes Projekt zu unterstützen, führt myclimate eine gründliche Sorgfaltsprüfung (Due Diligence) durch.   

Zuallererst ist die Permanenz (Langlebigkeit) der ergriffenen Maßnahmen von zentraler Bedeutung. Alle Waldprojekte haben eine Laufzeit von mehreren Jahrzehnten, um effektiv große Mengen an CO₂ zu speichern und so der Atmosphäre zu entziehen. Die Nachhaltigkeit dieser Projekte wird u.a. durch Maßnahmen zur Vorbeugung von Bränden, Schutz vor Wildverbiss und einem regelmäßigen Monitoring gestärkt. Es wird außerdem darauf geachtet, dass selbst nach Ende der Projektlaufzeit eine hohe Motivation zur Fortführung der Maßnahmen gegeben bleibt.  

Wie bei allen Klimaschutzprojekten muss auch bei Waldprojekten bei der Zertifizierung die «Zusätzlichkeit» (Additionalität) gewährleistet werden. Das heißt, es muss nachgewiesen werden, dass nur dank der CO₂-Finanzierungsgelder und den damit verbundenen Maßnahmen eine zusätzliche Klimaleistung erreicht wird. Bei Waldschutzprojekten bedeutet das, dass nur neue Waldgebiete über die gesamte Projektlaufzeit von mindestens 30 bis 99 Jahren unter Schutz gestellt und als Klimaschutzprojekt verifiziert werden können.  

Für Aufforstungsprojekte und Projekte mit verbesserter Forstwirtschaft muss nachgewiesen werden, dass die Projektmaßnahmen über die gesetzlichen Mindestanforderungen und die übliche Forstpraxis deutlich hinausgehen und ein ökonomischer Anreiz zum Waldschutz ohne das Projekt fehlt. Diese Voraussetzungen werden von myclimate, dem jeweiligen Standard und einer externen Auditorfirma überprüft. Schon bestehende unter Schutz stehende Waldökosysteme erfüllen die Kriterien eines solchen Audits nicht und könne daher nicht als ein Programm aufgenommen werden. 

Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die soziale und ökonomische Integrität der Projekte. Wälder haben weltweit nicht nur große ökologische, sondern auch essenzielle ökonomische und soziale Bedeutung. Die regionalen Bedürfnisse der Waldbesitzenden bzw. der Waldnutzenden müssen stets berücksichtigt werden. In internationalen Projekten bedeutet das, dass lokale Gemeinschaften in den Projekten mit einbezogen werden müssen. Dabei muss jedes Projekt einen FPIC (Free, Prior and Informed Consent) vorweisen. Nur mit allgemeiner Zustimmung und nach ausreichender Aufklärung der lokalen Bevölkerung werden die Projekte umgesetzt.  

Auch müssen die Projekte den Menschen vor Ort weitere Vorteile bieten, beispielsweise durch neue Einkommensquellen wie Waldlandwirtschaft, Honigproduktion, Ausgleichszahlungen (PES – Payment for Ecosystem Services) oder die Schaffung zusätzlicher Arbeitsplätze, bspw. als Ranger oder Projektmitarbeiter. Durch diese Voraussetzungen soll den Risiken von möglichen Carbon-Leakage-Effekten (Kohlenstoffverlagerungseffekten), also der Gefahr, dass die eingesparten Emissionen durch die Verlagerung und Verstärkung von Rodungen auf anderen Flächen in der gleichen Region entstehen, entgegen gewirkt werden.  

Schließlich ist die Umweltintegrität und Biodiversitätsförderung ein zentrales Element aller Waldklimaschutzprojekte. Diese beinhaltet etwa die Aufforstung mit lokalen und vielfältigen Baumarten, die an die gegebenen Bedingungen angepasst sind und ideale Lebensräume für die lokale Flora und Fauna bieten, oder aber eine naturnahe Waldbewirtschaftung, die zusätzliche ökologische Eingriffe, wie die Erhaltung von Habitatbäumen, die Etablierung geschützter Lebensräume für teils bedrohte Tierarten, wie den Biber, und die naturschonende Bewirtschaftung der Flächen beinhaltet.   

Um sicherzustellen und zu überprüfen, dass die Bäume beziehungsweise der Wald langfristig erhalten bleiben und die erwünschte Klimawirkung erzielt wird, werden die Projekte regelmäßig überprüft –einmal jährlich vom Standard und von myclimate sowie fünfjährlich von unabhängigen externen Prüfstellen. 

 

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