Was sind die Chancen von Pflanzenkohle für den Klimaschutz?

Angesichts der drängenden Klimakrise rückt ein altbekannter aber in Vergessenheit geratener Stoff in den Fokus: die Pflanzenkohle, auch Biochar genannt. Sie gilt als eine der vielversprechendsten Negativemissionstechnologien, also als Methode, aktiv CO₂ aus der Atmosphäre zu entfernen. Doch was steckt hinter diesem schwarzen Granulat und welches Potenzial bietet es für den Klimaschutz?

Ein Speicher für Kohlenstoff: Pflanzenkohle als Senke

Das Klimaschutzpotenzial der Pflanzenkohle liegt in ihrer Fähigkeit, Kohlenstoff langfristig zu speichern und ist eine von mehreren biologischen CO2-Speicherungsmöglichkeiten, auch als Senke, Carbon Dioxid Removal (CDR) oder Negativemissionstechnologie bezeichnet (siehe FAQ Was sind Negativemissionen). Während bei der natürlichen Verrottung oder Verbrennung von Biomasse CO2 wieder freigesetzt wird, bleibt der Kohlenstoff in der Pflanzenkohle für Hunderte bis Tausende Jahre gebunden – sofern die Kohle im Boden eingelagert wird und bleibt. Damit kann 1 Tonne Pflanzenkohle der Atmosphäre etwa 2,5 bis 3 Tonnen CO2-Äquivalente entziehen. 

Pyrolyse: So entsteht Pflanzenkohle

Pflanzenkohle entsteht durch die sogenannte Pyrolyse: Biomasse wie Holzreste, Grünschnitt oder Stroh wird unter Luftabschluss bei Temperaturen zwischen 350 und 900°C erhitzt. Dabei wird etwa die Hälfte des in der Biomasse enthaltenen Kohlenstoffs in eine stabile Form überführt. Das Endprodukt ist poröse, kohlenstoffreiche Pflanzenkohle, die über Jahrhunderte im Boden überdauern kann. 

Weitere ökologische Vorteile: Bodenfruchtbarkeit und Wasserspeicher

Neben dem Klimanutzen bietet Pflanzenkohle auch agrarökologische Vorteile. Eingemischt in Kompost oder Gülle reduziert sie Nährstoffverluste und Treibhausgasemissionen wie Lachgas, verbessert die Bodenstruktur und erhöht die Wasserhaltefähigkeit. Auch die Mikrobiologie im Boden wird gefördert, was wiederum die Pflanzenproduktion unterstützen kann. Die sogenannte Terra-Preta – schwarze Erde indigener Kulturen im Amazonasgebiet – zeugt von der langfristigen Fruchtbarkeit solcher mit Pflanzenkohle angereicherten Böden. 

Grenzen und Herausforderungen: auf qualitativ hochwertige Standards setzen

Trotz ihrer Vorteile ist Pflanzenkohle kein Wundermittel. Ihr Nutzen hängt von der Qualität der eingesetzten Biomasse, dem Herstellungsprozess und der Art der Anwendung ab. Wird beispielsweise Pflanzenkohle aus Holz hergestellt, das sonst stofflich hätte genutzt werden können (z. B. als Bauholz), fällt die Klimabilanz weniger positiv aus. Auch die energetische Nutzung der bei der Pyrolyse entstehenden Gase und Öle ist entscheidend für die Gesamteffizienz. 

Ein weiterer Punkt: Pflanzenkohle ist bislang nur in kleinen Mengen verfügbar und die Herstellung ist oft noch teuer. Um das Potential der Pflanzenkohle besser nutzen zu können, sind stabile politische Rahmenbedingungen, Fördermassnahmen und klare Qualitätsstandards erforderlich. Die Schweiz könnte gemäss der Vision von Charnet, dem Schweizerischen Fachverband für Pflanzenkohle, bis zu 4 Millionen Tonnen CO2 jährlich mit Pflanzenkohle aus nachhaltiger Biomasse . Damit kann Pflanzenkohle etwa einen Drittel der bei Netto-Null (2050) verbleibenden fossilen Restemissionen auf sinnvolle Art zurückbinden, während dessen Einsatz in der Landwirtschaft dort weitere 1-2 Millionen Tonnen CO2eq vermeidet. 

Zertifizierung und Märkte: EBC-Zertifikat und «Global Biochar C-Sink»

In Europa gibt es mittlerweile Standards zur Qualitätssicherung, etwa das „European Biochar Certificate“ (EBC) von Carbon Standards International (CSI), das vom Ithaka-Institut mitentwickelt wurde, ein internationales Netzwerk für Kohlenstoff-Strategien und Klimafarming. Die Richtlinien von CSI für die C-Senke, Global Biochar C-Sink, garantiert die Herkunft aus nachhaltiger Biomasse, schadstoffarme Produktion und sichere Anwendung. Die so zertifizierte Senkenleistung ist ein wichtiger Klimaschutzbeitrag, mit dem wir als Gesellschaft dem Ziel von Netto-Null Treibhausgasen einen entscheidenden Schritt näherkommen.  

Fazit: Pflanzenkohle ist Teil der Lösung

Pflanzenkohle ist ein faszinierendes Instrument zur Kohlenstoffrückbindung und zur Verbesserung landwirtschaftlicher Systeme. Richtig eingesetzt, bietet sie ein robustes, skalierbares und gleichzeitig naturbasiertes Mittel gegen den Klimawandel. Doch wie bei allen Lösungen gilt: Sie ist kein Ersatz für drastische Emissionsreduktionen – sei dies im eigenen Unternehmen oder als Privatperson –  sondern eine sinnvolle Ergänzung. Um ihr Potenzial voll zu entfalten, braucht es eine enge Zusammenarbeit von Forst-, Land- und Energiewirtschaft, ein Bewusstsein für den Wert von CO2 und die Unterstützung vielfältiger Klimaschutzprojekte mit Pflanzenkohle.

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